„Echte Menschen. Echte Stars.”: Nach der Lehre in Berlin zur Meisterprüfung in Düren

Klein Georg Klein vom Zurich Team VCO Berlin ist der "Star des Monats April" in der Kampagne "Echte Menschen. Echte Stars." der Deutschen Volleyball Liga (DVL).

Georg Klein vom Zurich Team VCO Berlin ist der "Star des Monats April" in der Kampagne "Echte Menschen. Echte Stars." der Deutschen Volleyball Liga (DVL).

Klein

So klingt es aus dem Munde eines Profis: „Klar, wir Spieler sind untereinander auch Gegner. Aber Konkurrenzkampf gehört dazu. Wir sind ja auch kein Mädchenteam, bei dem jeder gleich eingeschnappt ist, wenn er mal Gegenwehr bekommt.” Man könnte meinen, da spricht ein alter Hase, ein gestandener Profi, der schon alles, oder zumindest vieles erlebt hat, den nichts aus der Ruhe bringt. Es ging um die Frage: „Wenn doch jedes Spiel in der Bundesliga wie ein Schaulaufen ist, weil man andereVereine oder Spielervermittler auf sich aufmerksam will, gibt es da nicht Ärger mit den eigenen Mitspielern? Die buhlen doch letztlich um die gleichen raren Vertragsangebote.” Die Frage richtete sich aber nicht an einen Björn Andrae, Jochen Schöps oder Georg Grozer. Vielmehr wurde sie von einem 19-Jährigenbeantwortet, der erst am Anfang einer vielleicht großen Karriere steht: Georg Klein, Mittelblocker beim Zurich Team VC Olympia Berlin.
 
Der 2,01 Meter lange Schlaks sitzt im Aufenthaltsraum des Hauses für Athleten in Berlin-Hohenschönhausen, Fritz-Lesch-Straße. Genau genommen ist es das Haus Nummer eins. Drei Etagen hoch, auf jedem Flur gibt es rund 15 Zimmer, macht in etwa 45 Sportler, die hier leben. Auf der Namenstafel mit der Klingel stehen prominente Sportler. Britta Steffen, Schwimm-Weltmeisterin, hat hier noch ein Zimmer, Anja Günther, Beachvolleyballerinnen mit dem Status „A-Sondertrainingskader”, wohnt auch noch hier. Offiziell jedenfalls. Und natürlich die vielen Talente des VCO Berlin, männliche wie weibliche.
 
Georg Klein ist vor vier Jahren hier eingezogen, kurz vor seinem 16. Geburtstag wagte er den Schritt aus Leipzig in die Hauptstadt, „weil ich von klein auf das Ziel hatte, Volleyball-Profi zu werden.” In Leipzig und in der Sachsen-Auswahl hat er auf sich aufmerksam gemacht. Bei der Sichtung des Jahrganges 91/92 durch die Bundestrainer kam das Angebot, in das Stützpunktteam zu wechseln und Klein wollte sofort. Allerdings waren die schulischen Leistungen damals nicht optimal genug, weshalb er erst einen Pakt mit den Eltern ausgehandelt hat. „Ich durfte umziehen, hätte aber zurück gemusst, wenn die Noten nicht stimmen.” Vielleicht war der Pakt Anschubhilfe oder Motivationsspritze, auf jeden Fall ist er noch da und hat im letzten Jahr das Abi mit einem Schnitt von 2,0 gemacht.
 
Auch wenn das Zimmer klein ist und kaum mehr als zwölf Quadratmeter misst, hieß es auch nach dem Schulabschluss dort zu bleiben. Zum einen hat er Zivildienst geleistet im St.-Gertrauden-Krankenhaus und sich jetzt an der Berliner TU für Wirtschaftsingenieurwesen eingeschrieben. Zum andern steht noch der Höhepunkt der vierjährigen sportlichen  Lehrzeit an. Denn im letzten Jahr der Ausbildungszeit starten die VCO-Spieler sowie gleichaltrige Talente, die inihren Heimatvereinen geblieben sind, aber zum Nationalmannschaftskader gehören, bei der Qualifikation zur U-21-Weltmeisterschaft. Die steigt vom 20. bis zum 22. Mai in Spergau und Deutschland trifft auf Estland, Griechenland und Italien. Nur der Erstplatzierte bekommt ein Ticket zur WM im August in Brasilien. Es soll die Gesellenprüfung werden.
 
Denn danach ist die Lehre beendet und es geht in die nächste Phase. Vor der steht dann auch Georg Klein, der, als er im Aufenthaltsraum sitzt und spricht, neben sich auf dem Tisch den Vertragsentwurf für seinen ersten richtigen Arbeitgeber liegen hat. Den Zuschlag wird evivo Düren erhalten. Am Tag zuvor ist er von den letzten Verhandlungsgesprächen aus Düren zurück gekehrt, hat sich eine Wohnung angeschaut, die er mit Freundin Sophie beziehen will, und die Stadt kennen gelernt.
 
Düren hat sich frühzeitig um ihn bemüht. Erst gab es ein Telefonat, dann ein Treffen in Berlin mit Erich Bernd Peterhoff, Mitglied der Geschäftsführung der Peterhoff GmbH, einem der Hauptsponsoren des Erstligisten, und schließlich war für Georg Klein klar: „Hier stimmt das Umfeld, das Team, die Betreuung, der medizinische Stab und auch die Stadt gefällt mir.” Über Geld wurde erst spät gesprochen, sagt er, „wichtiger sind das komplette Umfeld und die Perspektiven.” 
 
Für den jungen Mann ist es der nächste bedeutsame Schritt. In Leipzig hat er sportlich angefangen, erst als Schwimmer, dann wurde der Siebenjährige zu den Volleyballern des TSV Leipzig 76 geholt. Dort blieb er nur kurze Zeit, wechselte zum Leipziger Bundesligaklub und machte unter dem  Trainergespann Jens Linkerhand/Gunter Strotzer und Carsten Gless erste Schritte als Mittelblocker. Natürlich hätten sie ihn auch gern wieder in Leipzig gesehen, bei den L.E. Volleys, die zurück in die 1. Liga wollen. Die Verbindung in die Heimat ist auch nicht komplett abgerissen. Ende Februar wurde Klein bei der Ehrung der Sportler des Jahres als EM-Teilnehmer 2010 ausgezeichnet.
 
Aber bei aller Liebe, Kleins Ansprüche liegen deutlich höher. Alle VCO-Spieler konnten sich von Bundestrainer Söhnke Hinz, der sie auch beim VCO betreute, beraten lassen. Und der hat ihm empfohlen, sich nicht für einen Zweitligisten oder einen Erstligaklub aus der unteren Tabellenhälfte zu entscheiden. „Ich will Profi werden”, sagt Klein. „Ich will auch mal in die Nationalmannschaft und ins Ausland. Das geht nicht, wenn ich nicht den Sprung nach oben schaffe.”
 
Dass es nicht leicht wird, weiß er. In Düren trifft er auf harte Konkurrenz unter den Mittelblockern. Auf Jaromir Zachrich, „Star des Monats März” und Stefan Hübner, Starspieler unter Deutschlands Volleyballern seit vielen Jahren. Hübner galt einst als einer der weltbesten Blockspieler, war viele Jahre in Italien und steht seit Saisonbeginn bei den Rheinländern unter Vertrag. Georg Klein freut sich auf die Zusammenarbeit mit Hübner: „Stefan war einer der Hauptbeweggründe, um nach Düren zu wechseln. Von ihm kann ich noch so viel lernen, wie vielleicht von keinem anderen in Deutschland. Man sieht ja bei Jaromir Zachrich, wie der sich in dieser Saison entwickelt hat. Der blockt jetzt wie ein junger Gott.” Dabei muss sich Klein keineswegs verstecken. Seine Stärken sind die Angriffsvariabilität. Die Gesamtstatistik der DVL zur Angriffseffizienz hat er eine Zeit lang angeführt. Nach der Normalrunde lag er immer noch auf Platzfünfzehn. Schwächen hat er in der Abwehr: „Da habe ich kein Talent für, auch wenn ich es immer wieder probiere. Es wäre ärgerlich, wenn ich mal einen entscheidenden Ball in der Abwehr nicht hole.”
 
Stefan Hübner hat garantiert auch für diesen Fall Tipps bei der Hand, auch für den Wechsel aus der Hauptstadt ins eher beschauliche Düren. Hübner hat ähnlich angefangen, aus Hamburg, wo er beim Eimsbütteler TV und 1. SC Norderstedt gespielt hat, ist er vor vielen Jahren nach Moers gezogen und hat dort beim MSC geschmettert und geblockt: „Es gibt eigentlich keine großen Gefahren bei so einem Neueinstieg, wenn man immer wieder seine Ziele reflektiert und sie gegebenenfalls den Realitäten anpasst.” Klein solle aber erst einmal die Zeit genießen: „Georg muss die Augen aufhalten, zuhören und offen für Neues sein, dann kann er viel für seineZukunft profitieren.” Aber der Einsatz müsse stimmen, so Hübner: „Talent allein reicht nur bis zu einem gewissen Punkt, danach ist Fleiß angesagt.”
 
Dass er im Grunde noch nicht viel erreicht hat, weiß auch Georg Klein. Platz sechs bei der Junioren-EM im letzten Jahr war ein Achtungserfolg. In der 1. Liga gab es in 24 Spielen nur einen Sieg gegen die A!B!C Titans Berg. Land. Jedes Match war eine neue Erfahrung, „weil wir immer zeigen wollten, was wir können.” Auch ein 0:3 beim großen Meister Friedrichshafen wurde da zu einem Erlebnis oder ein mit 24:26 knapp verlorener Satz beim SCC Berlin. Aber es gab stetig Anerkennung: „Wir selbst haben vielleicht nicht die Fortschritte gesehen, aber die anderen haben uns gelobt.”
In Düren wird er nun erst einmal die Bank drücken und um einen neuen Stammplatz kämpfen. „Erst mal etablieren und mich dann empfehlen”, das ist sein Ziel. Und dabei immer den Blick in die Zukunft gerichtet. „Eines Tages will ich im Ausland spielen, Italien vielleicht, Russland oder Polen sind aber auch interessant.” So klingt es aus dem Mund eines jungen Mannes, der weiß, was er will.
 
Steckbrief: Georg Klein (Zurich Team VCO Berlin)
Geburtsdatum: 22.08.81
Geburtsort: Leipzig
Größe: 2,01 Meter
Beruf: Student Wirtschaftsingenieurwesen
Position: Mittelblock
Bisherige Vereine: L.E. Volleys, Zurich Team VCO Berlin
Neuer Verein: evivo Düren
Sportliche Erfolge:
2. Platz 8-Nationen Turnier 2008
3. Platz Olympische Spiele der Jugend 2009
1. Platz 8-Nationen Turnier 2009
6. Platz Junioren-EM Weißrussland 2010


Text: DVL

 

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