Glaubt man der Werbung, gibt’s einen Drink, der Flügel verleiht. Nun, das zuckersüße Wässerchen haben sich die Bundesligamädchen vom VC Olympia vorm Heimspiel mit dem USC Münster nicht angetan, dafür hatte der 3:0-Auswärtserfolg bei Bayer Leverkusen offensichtlich beflügelnde Wirkung. Völlig losgelöst vom Druck der Erwartung des ersten Saisonsieges „schwebten“ die Berliner Schmetterlinge respektlos übers Feld der Anton-Saefkow-Halle und brachten den Tabellenvierten beim 1:3 nach 102 Minuten nahe an den Rand einer Niederlage.
Das Spiel hätte auch eine Aufführung im Kriminaltheater sein können. So spannend und abwechslungsreich verliefen die einzelnen Sätze. Im ersten Durchgang wähnte sich der USC beim 19:13 bereits auf der Siegerstraße, als VCO-Coach Han Abbing mit der Auszeit ein goldenes Händchen besaß. Die Pause war für seine Schützlinge wie eine Aufmunterungsspritze, bei Münster erreichte sie indes lähmende Wirkung. Ratzbatz stand’s 24:21 für Berlins Juniorinnen, den dritten Satzball versenkte schließlich die schwerbeschäftigte und vorbildlich rackernde Carina Aulenbrock zum umjubelten 25:23.
Auch Satz 2 war nichts für schwache Nerven. Immer wieder feuerten die VCO-Talente ihre coolen Aufgaben auf Linda Döhrendahl und Ines Bathen, die nicht gerade ihren stärksten Annahmetag nach Berlin mitgebrachten hatten. Und in Zuspiel, Angriff, Block und Abwehr befanden sich die Berlinerinnen mit dem Meisterschafts-Mitfavoriten in vielen Phasen weiter auf Augenhöhe. 22:19 lag das Zurich Team schon vorn, besaß beim 24:23 einen Satzball, konnte dieses Plus allerdings nicht in eine 2:0-Satzführung ummünzen. Weil vor allem auf der anderen Seite nun die 1,93 m große Außenangreiferin Hana Cutura ihre ganze Wucht und Wut in ihre Aktionen legte. Gegen die „Hämmer“ der kroatischen Nationalspielerin war kein Kraut gewachsen.
Das 27:25 brachte den USC zwar nicht die eigentlich erwartete große Dominanz zurück, war aber der Knackpunkt des Spiels. In Satz drei enteilte der VCO zwar noch einmal auf 12:8, im vierten Durchgang kamen die Mädchen um Libera Lena Gschwendtner (erhielt nach Spielschluss die „silberne“ Ehrung) von 12:20 noch einmal auf 17:20 ran, am Ende (25:19 und 25:18 für den USC) fehlte den jungen Damen noch die Abgeklärtheit und Nervenstärke, um solche Chancen zu einem besseren Schluss zu bringen.
Trotzdem gab’s dann Standing ovations und dickes Lob von Bundestrainer Jens Tietböhl: „Die Mädchen haben heute wirklich gut gespielt.“ Und durch den gewonnenen Satz nun auch die „Rote Laterne“ an Leverkusen abgegeben. Das müsste, wenn am Sonnabend Meister Vilsbiburg in die Anton-Saefkow-Halle kommt (19 Uhr, davor schmettern die Zweitliga-Jungs vom VCO gegen Ammerland), eigentlich auch wieder beflügeln…
jl


Berlin/Potsdam 96,7 MHZ