Gestern Abend gab’s Spannung pur in der 1. Bundesliga Volleyball. Im Duell gegen die envacom Volleys Sinsheim unterlag das Zurich Team VC Olympia Berlin nur knapp im Tiebreak 2:3 (22:25, 25:20, 7:25, 27:25, 15:17). Mehr Dramatik hätte auch kein Tatort-Autor in 111 Minuten Unterhaltung verpacken können.
Schon zu Beginn des Heimspiels lag eine gewisse Spannung in der Luft. Wegen des ungewohnten Berliner Trainerduos? Co-Trainer Leonard Waligora vertrat Han Abbing, unterstützt durch Florian Karl. Wegen des Gästetrainers Stefan Bräuer, der an alter Wirkungsstätte Punkte holen wollte. Oder weil zwei Teams aufeinander treffen sollten, die beide bislang einen eher punktarmen Saisonverlauf erspielt hatten und somit siegeshungrig waren!
Dass zwei gleichstarke Teams aufeinander trafen, zeigte sich in den ersten beiden Sätzen. Zwar auch geprägt von vielen Fehlern auf beiden Seiten, sahen die Zuschauer ein ausgeglichenes Spiel, in dem der jeweils erarbeitete Vorsprung beider Teams zum Satzsieg führte. Nach dem Berliner Ausgleich im zweiten funktionierte im dritten Satz kaum noch was beim Zurich Team. Oft fand der Ball den Weg von der Annahme zum Zuspiel nicht und machte so das Angriffsspiel zu unflexibel. Sinsheim nutzte das und sicherte sich über 1:6, 2:14 den Dritten Durchgang zu sieben Punkten.
Aber Berlin gab das Spiel nicht frei. Von Beginn des vierten Durchgangs an funktionierte wieder alles bei den Gastgeberinnen. Druckvolle Aufschläge und sehr konsequente Blockarbeit zwangen den Ball immer wieder auf die Sinsheimer Feldhälfte. Ab der 21:14 Führung jedoch begann der Volley-Krimi: Die Gäste fanden zurück ins Spiel. Mit jedem Zähler, den die Baden-Württembergerinnen heran kamen, schrumpfte das Vertrauen der Nachwuchs-Talente. Neun Punkte in Folge konnte die Gastmannschaft machen, bevor die Hausherrinnen wieder erfolgreich agierten. Die eingewechselte Anika Krebs brachte mit einer starken Aufschlagserie Berlin anschließend wieder in Führung: 24:23. Doch Sinsheim drehte das Spiel erneut! Emotionen pur: Der VCO wehrte den Matchball ab, holte sich den Satzsieg mit 27:25. Jubelnde Berliner Spielerinnen auf dem Parkett, heisere Stimmen auf der Tribüne.
Doch der Krimi hatte noch kein Ende gefunden. Im Tie-Break agierten beide Teams hoch konzentriert, verschenkten keinen Ball. Nach dem Seitenwechsel beim 6:8 agierten die Spielerinnen des VCO jedoch nicht mehr glücklich. Zu viele Chancen konnten sie nicht erfolgreich zum Abschluss bringen, sodass Sinsheim den Vorsprung auf 7:11 ausbauen konnte. Waligora nahm seine zweite Auszeit, um Ruhe ins Spiel zu bringen. Und das mit Erfolg: Berlin kam am Netz fortan wieder durch und mit einigen spektakulären Blocks überholten die Hauptstädterinnen ihre Kontrahentinnen. Jedoch gelang der krönende Abschluss beim 14:12 nicht. Sinsheim kämpfte und verteidigte oder blockte, was von Berliner Seite kam. Erneut konnte der Gäste-Matchball abgewehrt werden, Stand 15:15. Dann jedoch lag das Glück auf der Seite der Gäste. Mit einem Blockball entschied Sinsheim das Match und beendete die höchst spannende Partie zu ihren Gunsten. Das Zurich Team verpasste nach großartiger Leistung knapp den ersten Saisonsieg.
„Natürlich ärgert man sich über die verpasste Chance“, verrät Leonard Waligora nach dem Match, „vielmehr bin ich aber stolz, dass wir uns die Möglichkeit zum Sieg erkämpft haben. Gegen gleichstarke Gegner errechnet man sich ja seine Chancen, geht aber auch mit einem Erwartungsdruck in die Partie. Diesem dann Stand zu halten ist eine großartige Leistung unserer Spielerinnen.“ Eine Woche nach dem Volley-Krimi geht es fürs Zurich Team noch einmal auf’ Spielfeld. Gegen VT Aurubis Hamburg bleibt noch eine Chance, sich vorzeitig eine Weihnachtsüberraschung zu machen. Spielbeginn ist 19:00 Uhr in der Anton-Saefkow-Halle.
tj


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