Ein wenig überwältigt waren Lena Möllers und Sarah Petrausch von den Roten Raben Vilsbiburg schon, als sie zum Bundesligaspiel gegen das Zurich Team des VC Olympia Berlin die Anton-Saefkow-Halle betraten. Schließlich war diese Sportstätte über drei Jahre lang so was wie ihr Jugendzimmer. Bevor sie von den Roten Raben unter Vertrag genommen wurden, konnten sich beide in der Berliner Talenteschmiede prächtig entwickeln, schafften sie es zu der Zeit mit dem deutschen Juniorinnenteam zu EM-Gold und WM-Titel.
Sarah, die nach einer OP erst wieder zu ihrer Normalform finden muss und gegen den VCO – wie Lena, die geschont wurde – in Reserve stand, gab nach dem 3:0 des Bundesligaersten gegen den Vorletzten zu, dass sie die Zeit in Berlin nicht bereut und auch nie vergessen werde. „Manchmal“, so die heute 20jährige Außenangreifern, „vermisse ich das sogar ein bisschen“.
Sarah und Lena haben es geschafft, spürten aber auch ziemlich deutlich, dass es schon was anderes ist, sich nach der Juniorenzeit in einem gestandenen, mit Klassespielerinnen durchsetzten Profiteam zurechtzufinden und sich durchzusetzen zu müssen. Sie hatten aber auch Glück, im „Nest“ der Roten Raben untergekommen zu sein. 2010 wurde Vilsbiburg Deutscher Meister, ist derzeit Spitzenreiter und schmetterte sich zudem ins deutsche Pokalfinale. Und diese Roten Raben hielten vor den VCO-Talenten eine Lehrstunde ab, gewannen ihre Sätze mit 25:17, 25:14 und 25:16.
Zur Ehrenrettung der VCO-Girls um Trainer Han Abbing sei aber gesagt, dass es absolut nicht das von einigen befürchtete Begräbnis erster Klasse wurde. Abbing hinterher: „In drei Wochen hat die Mannschaft sieben Spiele gemacht, das hat ein bisschen geschlaucht. Vilsbiburg hat selbst wenig Fehler gemacht und auf unsere Fehler gewartet.“ Positiv fand der Bundestrainer, dass seine Mannschaft trotz der gegnerischen Dominanz in Angriff (überragend Serbiens Nationalspielerin Mirjana Djuric) und Abwehr (ganz stark Libera Lenka Dürr) immer bemüht war, richtig gegenzuhalten.
Das war im 1. Satz so, als aus einem 1:7 ein 7:9 gemacht wurde, das war im 2. Durchgang so, als bis zum 11:13 wirklich noch alles offen schien, und das setzte sich im 3. Abschnitt in der Phase vom 3:7 zum 10:11 fort. Dann jedoch zog der Ex-Champion unerbittlich auf und davon.
Wer es wie sie aus dem jetzigen VCO-Team mal ganz nach oben schaffen könnte, wollten wir schließlich noch von Sarah Petrausch wissen. Ihre Antwort: „Alle haben ja ihre Chance, aber ich denke da besonders an Carina Aulenbrock und Celin Stöhr.“ Celin wurde übrigens nach dem Match als beste Berlinerin geehrt…
jl

Berlin/Potsdam 96,7 MHZ